Dr. Reiter Höffken

Krampfadern

Auch wenn jedes Kind weiß wie Krampfadern aussehen, ist es nicht jedem bekannt, woher sie kommen, wie sie entstehen und was man dagegen machen kann. An dieser Stelle werden zunächst einige grundsätzliche Dinge erklärt und dann, davon ausgehend, die Therapieprinzipien erklären. Zum Abschluß werden noch einige praktische Tips gegeben. Wie bereits erwähnt, sollten Sie diese Seite lieber auf Ihren Rechner zwischenspeichern um sie ausführlich durchzulesen, da sie sehr viel Text enthält und wir Ihre Telefonrechnung nicht unnötig strapazieren wollen.

Der Blutkreislauf

Grundsätzlich muß man den Kreislauf, als aus drei Abschnitten bestehend verstehen: Herz, Arterien und Venen.

Das Herz pumpt sauerstoff- und nährstoffreiches Blut in die Arterien. Arterien bilden ein weitverzweigtes Netz im Körper, so können sie fast alle Zellen des Körpers mit Blut versorgen. Dort, in der Körperperipherie, wird der Sauerstoff und die Nährstoffe verbraucht, es entsteht Kohlendioxid und Stoffwechselschlacken. Über die Venen wird nun das „verbrauchte Blut“ abtransportiert.

Venen und Venenklappen

Aufgabe der Venen ist es, das verbrauchte Blut entgegen der Erdanziehungskraft zum Herzen zurückzubringen. Von dort aus kann es in die Lunge gepumpt werden und neu mit Sauerstoff angereichert werden. Das Herz übernimmt dabei die Aufgabe einer Saug-Pumpe, es saugt das Blut aus den Venen. Das allein würde aber nicht ausreichen um alles Blut aus den Beinen anzuziehen. Die tiefen Venen liegen zwischen den Muskeln und werden dadurch immer wieder „ausgequetscht“. Damit es nicht immer wieder zurückfließen kann, besitzen die Venen Klappen. Nur durch die Zusammenwirkung des Herzsogs, der Muskelpumpen und der Venenklappen kann das Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen fließen.

Die oberflächlichen Venen, die man besonders am Unterschenkel sehen kann, münden auch in die tiefen Venen. Die Verbindungsvenen zum tiefen System heißen Perforantenvenen. Wieder sind es Venenklappen, die es ermöglichen, daß das Blut nur nach innen und damit zum Herzen fließen kann.

Venenkrankheiten

Sind die Venenklappen kaput, staut sich das Blut in den Beinen. Dies führt zunächst zu Schweregefühl und Müdigkeit der Beine nach längerem Stehen oder Sitzen, später zu Wasseransammlungen im Gewebe und zuletzt zu Ernährungsstörungen der Haut, was sich als „offenes Bein“ bemerkbar machen. Man kann sich das so vorstellen, daß durch den mangelnden Abtransport von „verbrauchtem“ Blut nicht genug „frisches“ sauerstoffreiches Blut zu den Zellen kommen kann. Zur Wundheilung ist viel frisches Blut notwendig.
Varikose: Varizen sind Krampfadern. Es ist eine Bezeichnung für erweiterte, oberflächliche Venen mit defekten Klappen. Das Blut fließt nicht mehr nur nach innen, zu der „Muskelpumpe“, sondern auch nach außen. Dadurch werden die Venen geweitet.
Oberflächliche Venenentzündung: Entzündung und Gerinnselbildung in einer oberflächlichen Vene, besonders häufig in Krampfadern. Dort fließt das Blut zu langsam.

Risikofaktoren

  1. Vererbung: Fast immer steht die vererbte Bindegewegsschwäche hinter der Venenschwäche. Ist das Bindegewebe schwach, geben auch Venen und Venenklappen leichter nach. Bei Frauen ist es meist durch die hormonelle Lage sehr locker. In der Schwangerschaft ist die Gefahr besonders groß. Leider ist die erbliche Venenerkrankung auch bei Männern sehr häufig.l
  2. Bewegungsmangel: Bei langem Stehen und Sitzen staut sich das Blut in den Beinen und die Venen weiten sich aus, weil die Muskelpumpe inaktiv ist.
  3. Alter: Die Elastizität der Venenwände nimmt im Alter ab. Die Gefahr Krampfadern zu bekommen steigt beträchtlich.
  4. Beengende, einschnürende Kleidung: Der venöse Rückfluß wird behindert, der Druck steigt und die Venenwände geben nach.
  5. Hochhackige Schuhe: Der Fuß wird weniger bewegt, die Muskelpumpe kommt nicht zum Einsatz.
  6. Übergewicht
  7. Übermäßiger Alkoholkonsum
  8. Zu viel Hitze: Bei heißen Bädern, langen Sonnenbädern und übermäßigen Saunabesuchen weiten sich die Venen durch die Hitze erheblich. Das kann zu einer überdehnung der Venenwände und Klappen führen.

Was ist so gefährlich?

Durch die mangelde Blutzirkulation in den Beinen kann es zu schlecht heilende Geschwüren kommen, „offenes Bein“. Wenn das Blut langsam fließt, neigt es dazu Gerinnsel (Thromben) zu bilden. Tiefe Beinvenenthrombosen führen sehr häufig zu Lungenembolien. Dabei lösen sich Teile oder das komplette Gerinnsel ab und werden in die Lunge gespült. Dadurch kann die Lunge soweit verstopft sein, daß nicht mehr genug Blut mit Sauerstoff angereichert werden kann. Erstickung droht.

Was kann man machen?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Die eine behandelt nur die Symptome, die andere geht schon etwas näher an die Ursache heran. Leider ist aber das Übel, das meistens dahintersteckt nicht zu behandeln: die erbliche Bindegewebsschwäche.

Konservative Therapie

Kompressionstrümpfe stellen die Basis der Thapie dar. Sie komprimieren das Gewebe von außen und unterstützen dadurch die Muskelvenenpumpe. Der Blutfluß normalisiert sich und die Venenklappen können sich oft wieder unter dem Strumpf schließen. Die typischen Beschwerden wie schwere und schmerzende Beine klingen ab. Sie müßen für jeden individuell angepaßt werden. Sie eignen sich auch sehr gut als Vorbeugung, wenn ein anstrengender Tag bevorsteht. Vorausetzung ist aber ein konsequentes Tragen.

Operative Therapie

Die tiefen Beinvenen, wenn diese intakt sind, schaffen es meist auch ohne die oberflächlichen Venen das Blut abzutransportieren. Deshalb kann man die Oberflächlichen entfernen, wenn sie krankhaft verändert sind. Wenn die Venenklappen komplett zerstört sind, bleibt keine andere Möglichkeit. Dabei werden über maximal 1cm große Schnitte die kaputten Venen entfernt. Damit ist das „Leck“ geflickt, und das Blut kann wieder gut abfließenl und die Beschwerden verschwinden. Durch kosmetisches Nahtmaterial, welches ohne Einstiche auskommt, sind nach kurzer Zeit keine Narben mehr sichtbar. Nach der Operation müßen nur 8 Wochen die Kompressionsstrümpfe getragen werden. In den meisten Fällen wird die Operation in einer sehr leichten Vollnarkose ambulant durchgeführt, d.h. nur 5-6 Stunden Aufenthalt im Operationszentrum. Danach können Sie sofort wieder nach Hause gehen. Am folgenden Tag werden dann die Verbände in der Praxis abgenommen. Schon in der nächsten Woche können Sie wieder wie gewohnt zur Arbeit gehen. Die Fäden werden um den zehnten postoperativen Tag entfernt.