Dr. Reiter Höffken

Der Leistenbruch

Ein Leistenbruch, auch als Leistenhernie bekannt, kann leider nicht wie ein Armbruch mit Gips versorgt werden. Das liegt daran, daß es sich um keinen Bruch im herkömmlichen Sinne handelt.

Was heißt eigentlich Leistenbruch?

Die Wand der Bauchhöhle ist nicht überall gleich stabil. Einige Stellen sind wiederstandsfähiger als andere. Eine besonders schwache Stelle befindet sich im Bereich des Leistenkanals. Das liegt daran, daß die Hoden irgendwann einmal an der Rückseite der Bauchwand entstanden sind. Auf ihrem Weg zu der Stelle, wo sie sich im späteren Leben befinden und wo wir zu suchen anfangen würden, wenn wir sie finden wollten, wandern sie durch die Bauchwand. Auf ihren Weg hinterlassen sie den Leistenkanal. Wenn sich dieser nicht richtig verschließt oder zu schwaches Bindegewebe dem Druck von Innen nachgiebt, kann es passieren, das Baucheingeweide in dieses Loch geraten. Das nennt man dann Leistenbruch.

Weil Frauen bekanntlicherweise keine Hoden besitzen und diese folglich auch nicht wandern müßen sind Leistenhernien bei ihnen sehr viel seltener. Doch auch Frauen haben Schwachstellen in der Bauchwand, Operationsnarben zählen dazu. Dort können ebenfalls Brüche entstehen.

Was ist so gefährlich?

Wenn sich zum Beispiel eine Darmschlinge in dem sog. Bruchsack eingeklemmt, kommt es zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung. Auch kann es passieren, daß die Leistenhernie die Blutzufuhr zu Hoden blockiert, da ja die Blutzufuhr auch über den Leistenkanal erfolgen muß.

Der Bruchsack ist oft gut unter der Haut tastbar. Der Inhalt läßt sich meistens für eine kurze Zeit zurückdrängen. Das ist aber noch keine Therapie. Die Lücke in der Bauchwand muß operativ verschlossen werden um gefährliche Komplikationen zu verhindern.

Wie kann der Bruch therapiert werden?

Wie bereits oben beschrieben handelt es sich bei einem Leistenbruch um ein „Loch“ in der Bauchwand. Meistens ist es möglich dieses „Loch“ von einem kleinen Leistenschnitt aus zu verschließen. Dabei wird das Loch entweder direkt zugenäht oder zusätzlich mit einer Art Flicken versehen.

Auch diese Operation kann sehr oft ambulant in einer leichten Form der Vollnarkose erfolgen. Das heißt, Sie können selbst in den Operationssaal laufen und sind wenige Stunden später wieder zu Hause. Wenige Tage später ist es Ihnen auch wieder möglich zur Arbeit zu gehen.