Dr. Reiter Höffken

Thrombosevorsorge

Normale Blutgerinnung

Blut hat die Eigenschaft, wenn es nicht mehr fließt oder mit fremden Oberflächen in Kontakt kommt, zu verklumpen. Aus dem flüssigen Blut wird eine feste Scholle. Auf einer Wunde nennt man das Kruste. An dieser Veränderung sind besonders die Blutplättchen, Thrombozyten, und besondere Bluteiweisse, die Gerinnungsfaktoren, beteiligt. Unter normalen Bedingungen ist dieser Vorgang auch sehr sinnvoll, da kleine Verletzungen, wie sie uns täglich tausendfach passieren, sich von alleine verschließen können. Ein gutes Beispiel ist ein Schnitt mit dem Küchenmesser. Dabei fließt Blut in die Wunde, gerinnt dort und verschließt damit den Schnitt wieder, wie ein Pflaster. Eine Kruste ist aber viel besser als ein Pflaster, weil sie schon bald in normales Bindegewebe und Haut umgebaut wird. Der Defekt ist dadurch schnell wieder repariet.

Wie entstehen Thrombosen?

Der lebenswichtige Prozeß der Blutgerinnung kann sich aber unter bestimmten Bedingungen gegen uns richten. Wenn wir uns über einen längeren Zeitraum nicht genügend bewegen können oder die Gerinnungsbereitschaft des Blutes aus irgendeinem Gund verstärkt ist, kann es gefährlich werden. Klassische Beispiele wären ein Langstreckenflug in der Economy- oder Touristen-Klasse (engen Sitzen) oder Immobilisation nach einer Operation. Durch Bewegungsmangel fließt das Blut besonders in den Beinen sehr langsam oder sogar gar nicht. Zudem verliert der Körper durch die trockene Luft viel Feuchtigkeit, es wird dicker. Dabei kann es besonders in den tiefen Bein- oder Beckenvenen, die das Blut aus den Beinen zum Herzen befördern sollen, zur Blutgerinnung kommen, ein Thrombus entstehen. Wenn Sie sich dann später wieder bewegen, kann sich dieser Thrombus lösen und mit dem Blutstrom zum Herzen gespült werden, von dort unmittelbar in die Lunge. In der Lunge werden die Gefäße dann kleiner und das Gerinnsel bleibt stecken, das nennt man dann Lungenembolie. Je nachdem wieviel vom Durchmesser der Lungenarterie verstopft wird, wird es gefährlich. Es kann nicht mehr genügend Blut durch die Lunge fließen, Erstickung droht.

Wie sind die Symptome einer Thrombose?

In den Venen fließt bekanntlich das Blut, z.B. aus den Armen und Beinen zum Herzen. Als Folge einer Venenthrombose wird der Blutabfluß aus der betreffenden Körperregion, in diesem Fall besonders der Beine, erschwert oder kommt ganz zum Erliegen, was zu Folgeschäden führen kann. Blutgerinnsel können sich aber auch lösen und andere, oft lebenswichtige Gefäße verstopfen. Deutliche Beschwerden treten manchmal erst auf, wenn größere Venenabschnitte verschlossen sind. Durch die starke Abflußbehinderung sammalt sich Gewebswasser an. Außerdem wird der Zufluß von sauerstoff- und nährstoffreichem Blut behindert. Es kann dann zu stark Schmerzhaften Schwellungen im Bein kommen, es fühlt sich dann meist auch überwärmt an und ist blau verfärbt. Daraus kann sich durch den ständigen Blutstau ein chronisches Venenleiden entwickeln, welches mit offenen Beinen, Ulcus cruris, einhergehen kann. Starke Brustschmerzen und Atemnot können unter anderem auf eine Lungenembolie hinweisen.

Wer ist besonders gefährdet?

Eine Thrombose kann durch viele Faktoren entstehen. Generell wird sie durch alle Umstände begünstigt, welche zu Gefäßveränderungen, wie Ablagerungen oder Schädigungen, erhöhter Gerinnungsneigung oder verlangsamten Blutfluß führen (Virchow-Trias). Wichtige Risikofaktoren sind:

  • Verletzungen oder Operationen
  • Ruhigstellung
  • Hormonpräparate
  • Schwangerschaft
  • Rauchen -Übergewicht
  • Zuckerkrankheit
  • Herzleistungsschwäche
  • Krebserkrankungen
  • höheres Lebensalter

Wie kann man das Tourismus-Klassen-Syndrom verhindert werden?

Wenn Ihnen eine längere Flugreise bevorsteht, sollten Sie mit Ihem Arzt über die Möglichkeiten einer Thromboseprophylaxe sprechen. Diese könnte aus einer medikamentösen Blutverdünnung bestehen. Eine erhöhte Gefahr besteht schon bei Flüge oder Autofahrten, die 3-4 Stunden dauern.
Allgemein gilt, daß Sie während des Fluges viel trinken sollten, um das Blut flüssig zu halten. Anleitungen für Venengymnatik finden Sie hier, damit fördern Sie durch bestimmte Übungen den venösen Rückstrom aus den Beinen. Stehen Sie oft auf und gehen den Gang entlang. In vielen Fällen kann Ihr Arzt auch eine Heparinspritze verordnen, die die Blutgerinnung vermindert. Auch das tragen von Kompressinonstrümpfen ist unter Umständen empfehlenswert oder sogar unerläßlich.